Große und Kleine Birg bei Kochel

Wallburg Birg bei Kochel

Größte bronzezeitliche Befestigungsanlage im Landkreis und in ihrer aktiven Zeit wohl von überregionaler Bedeutung. Die Felskuppe der Großen Birg nordöstlich des Ortsteils Altjoch von Kochel bietet durch ihre steilen Felsabstürze von Norden über Westen bis Süden schon von Natur aus guten Schutz. Darüber hinaus ist davon auszugehen, daß der Kochelsee, heute unmittelbar nur auf der Nordwestseite an die Felskuppe angrenzend, ursprünglich mit seiner Wasserfläche oder zumindest verlandendem Schilfgürtel und Moor einen weitaus größeren Teil der Anhöhe umfaßte, sodaß diese fast Inselcharakter gehabt haben dürfte – diese Bereiche sind seitdem verlandet und zugunsten der Landwirtschaft trockengelegt worden, wozu auch die Absenkung des Seespiegels um ca. 1,8 m Anfang des 20. Jahrhunderts durch Vertiefung der Loisach beitrug. Insofern waren die Verteidigungsvorteile dieser Anhöhe in früheren Zeiten noch offensichtlicher, als heute.

Darüber hinaus hatte der Kochelsee vor 3000 Jahren noch mehr als das Zehnfache seiner heutigen Ausdehnung (fast bis Penzberg, ca. 12 km nördlich der Großen Birg), sodaß die Felskuppe mit ihrer geschützten Bucht auf ihrer Nordseite auch für Bootstransporte (Einbäume) eine weitaus günstigere Lage hatte, als der heute nur noch 6 km² große Kochelsee zunächst vermuten läßt, zumal auch die anderen Seen des Alpenvorlandes damals viel größer waren (und entsprechend näher aneinander heranreichten), was die Nutzung von Wasserwegen begünstigte, während Landtransporte auf Trampelpfaden zu Fuß oder mit Tragtieren ohne Straßen und Brücken höchst mühsam waren. Gleichzeitig führte eine bedeutende bronzezeitliche Handelsroute durch die Alpen und über den Kesselberg hinab zum Kochelsee bei Altjoch, auf der unter anderem das für die Bronzeerzeugung erforderliche und im Inntal abgebaute Kupfer nach Norden transportiert wurde. Das mit einem Anteil von nur 10 % erforderliche Zinn für die Bronzeherstellung kam aus völlig anderen Abbaugebieten. Damit bot sich die Große Birg als idealer Siedlungs- und Handelsplatz an – verkehrstechnisch gut gelegen und leicht zu schützen.

Archäologische Untersuchungen der Großen Birg 1911 und 1937 stellten fest, daß die ca. 500m durchmessende und 100m aufragende Bergkuppe von ca. 1200-700 v. Chr. durchgehend intensiv mit über 1000 Bewohnern besiedelt war (aus den punktuellen Grabungen hochgerechnet), die hier unter anderem intensive Metallbearbeitung betrieben. Insgesamt ca. 1,8 km Wälle und bis zu 9 m tiefe Gräben, zwischen denen sich die Wege bis zur 75m durchmessenden Gipfelbefestigung („Akropolis“) hinaufschlängelten und dabei 4 Zangentore passierten, während sie von den Wällen aus leicht zu kontrollieren waren. Durch diese künstlichen Verteidigungsanlagen war insbesondere die weniger steile Südwestseite, sowie Lücken auf den anderen Kuppenseiten geschützt – in Ergänzung der Felswände sowie des Sees und der Moorbereiche als natürliche Hindernisse. Schätzungen ergeben einen Arbeitsaufwand von über 10000 Mann-Halbjahren (Sommer/Herbst) zur Errichtung dieser Gesamtanlage mit damaligen Mitteln.

Offenbar wurde die Anlage nach 500-jähriger durchgehender Nutzung um 700 v. Chr. relativ rasch aufgegeben, ohne daß es Hinweise auf ein gewaltsames Ereignis gibt – möglicherweise wegen sich verlagernder Handelsrouten beim Aufkommen der Eisenzeit, als das Kupfer aus dem Inntal einen Teil seiner Bedeutung verlor. Anschließend blieb die Bergkuppe weitgehend ungenutzt, sodaß die bronzezeitlichen Relikte über den natürlichen Verfall hinaus weitgehend ungestört erhalten blieben.

Gut erkennbar sind noch der unregelmäßig dem Geländeprofil folgende Ringwall der sogenannten „Akropolis“ (Kernburg, Durchmesser ca. 75m) auf dem Gipfel der Felskuppe und der unterste Wall auf ihrer Südwestseite, der den dortigen weniger steilen Hang gegen die heutige Ebene in Richtung Altjoch (damals eventuell noch Wasser oder Moor) absicherte. In den Hängen darüber, insbesondere auf der Südwestseite, ist eine Vielzahl von Wallresten, Gräben und ehemaligen Wegen zwischen natürlichen Felsformationen zu erkennen. Auf dem südlichen Vorberg „Kleine Birg“ sind nur schwache Bebauungsspuren zu ahnen. Da die gesamte Anlage im Wald liegt, teilweise mit Unterholz und weitgehend weglos, empfiehlt sich die laubfreie Jahreszeit, um einigermaßen freie Sicht zu haben.

Reliefansicht im BayernAtlas


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