Lage
Land: | Deutschland |
Bundesland: | Thüringen |
Landkreis: | Altenburger Land |
Ort: | 04618 Langenleuba-Niederhain |
Lage: | in der Ortsmitte, in der Niederung der Wyhra |
Geographische Lage: | 50.959631°, 12.588572° |
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Beschreibung
Bodenvertiefungen und der Verlauf der Wirtschaftsgebäude lassen eine größere, abgerundet-rechteckige Burganlage vermuten. In der nördlichen Ecke des Geländes befinden sich die Reste des Schlosses, ursprünglich eine zweigeschossige Vierflügelanlage um einen rechteckigen Hof auf hohem Sockelgeschoss, mit hohem Walmdach und 121 Außenfenstern. Das Schloss ist ein barocker Bau mit Schmuckelementen im Régence-Stil und der Spätrenaissance.
Erhalten: drei Gebäudeflügel
Erhalten: drei Gebäudeflügel
Maße
Durchmesser der Innenfläche ca. 100 m |
Nutzung zwischen 1945 und 1990
Wohnungen, Schulräume (bis 1965)
Besitzer
Angaben ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Burggrafen von Altenburg | 1290 |
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die Markgrafen von Meißen erwerben die Lehnshoheit, das Lehen geht u.a. an Burggrafen von Leisnig, die Herren von Creutzen, von Zschadras und von Schauroth | 1329 |
Familie von Brand | 17. Jh. |
Johann Kuntsch | 1707 |
Dr. Christoph von Kuntsch | 1714 als Erbe |
Familie von Kuntsch | bis 1945 |
Gemeinde Langenleuba–Niederhain | |
Privatbesitz | 2018 für 31.000 Euro ersteigert |
Verein „Halbes Schloss Langenleuba–Niederhain e.V.“ |
Historie
11.Jh. | erwähnt |
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1707 | Abbruch der Burg |
1707–1711 | Neubau eines barocken Schlosses für Johann Kuntsch durch den Baumeister Johann Georg Hellbrunn nach Entwürfen von Johann Gregor Fuchs |
1838 | oder 1892 Abbruch des Südflügels aus unbekannten Gründen |
nach 1965 | Leerstand und Verfall |
2020–Ende | 2022 Notsicherung der Schlossanlage |
ab 2023 | Sanierung des Schlosses |
Ansichten
Quellen und Literatur
Groß, Dr. Lothar / Sternal, Bernd: Thüringer Burgen, Schlösser und Wehrbauten - Band 2, Quedlinburg 2019 |
Köhler, Michael: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze, 2. Aufl., (o.O.) 2003, ISBN 978-3-91014-196-4 |
Rothe, Hans-Werner: Burgen und Schlösser in Thüringen. Burgen - Schlösser - Herrensitze, Frankfurt/Main 1960 |
Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen (Hrsg.): Kulturelle Entdeckungen Thüringen - Band 4, Regensburg 2011 |
Wolf, Gustav / Hofmann, Sabine / Hofmann, Klaus, Museum Burg Posterstein (Hrsg.): Das alte Schloss sehn wir noch heut… - Aus der Geschichter der Rittergüter im Altenburger Land Teil II, Posterstein 2010 |
Das Fundament der Westwand des „Halben Schlosses“ hat in seinem nördl. Teil nachgegeben, so dass die nördl. Schmalseite in ihrer westl. Hälfte dreifach aufgerissen ist (u. a. Bruch von Fensterstürzen) u. wohl weiter reißen wird. Da dem bisher planlos agierenden Verein die enormen Summen für eine Fundament-Sanierung fehlen u. ja noch nicht einmal das marode Dach gedeckt ist, sollte er den verfüllten großen Wassergraben an der Nord- u. Westseite (z. Z. Wiese) wieder ausheben u. mit dem Wasser der Wiera füllten, damit die Holzpfähle (um 1708), auf denen die Fundament-Steine ruhen, wieder ganz unter Wasser stehen. Das Herausnehmen der Holzpfähle u. Ausgießen mit Beton verschlingt ungeheure Beträge (vgl. Sanierung Staatsbibliothek Berlin, 1903 auf Holzpfählen erbaut, rund 42 Mill. Euro in 6 Jahren Fundament-Sanierung infolge Abfaulens der Pfähle durch Grundwasserabsenkung → Tiefbauarbeiten im Umfeld).
Die Behauptung des gegenwärtigen Eigentümers des „Halben Schlosses“ in Langenleuba, Philipp Hesse aus Greiz (verantwortlich für die Inhalte von halbes-schloss.de), der Südflügel sei „1838“ abgerissen worden (im Netz inzwischen papageienhaft vervielfältigt), beruht ausschließlich auf einem archivierten Schriftsatz (20. August 1838) des Altenburger Advokaten Friedrich Franz v. Broke, Gutsbesitzer von Langenleuba im Rahmen der strengen Kuntsch’schen „Fideikomiss- u. Legatsstiftung“ (Testament 21. November 1712), welcher den Vorschlag des gutachterlich bestellten Altenburger Baumeisters Schmidt, der den Rückbau des leeren Südflügels wegen der augenfälligen Konsequenzen (Absenkung der auf Holzpfählen errichteten Fundamente) aus dem beim Bau des Schlosses 1707 (Rohbau: 44.000 Reichstaler) nicht ausreichend vorher geprüften Bodenbesonderheiten (Sumpfgebiet) vorgeschlagen u. dafür 10.000 Taler kalkuliert hatte, bewertet. Broke macht schließlich kenntlich, dass er aus Achtung vor den Fideikommiss-Regelungen des Stifters die Entscheidung den Testamentsexekutoren (der Kanzler des Herzogs u. der Generalsuperintendent) und dem Altenburger Herzog (als Lehnsherr) überlässt, zumal Schmidt einen Wiederaufbau auf dem Gelände für nicht ratsam hielt. Das rein informative Schriftstück ist also überhaupt kein Beweis, dass der Rückbau des Südflügels „1838“ erfolgte, sondern nur die persönliche Bewertung eines Vorschlags. Es bleibt somit vorläufig bei dem Jahr, das Professor Paul Lehfeld (1848-1900) 1895 überliefert, wonach die Abtragung des vermutlich bereits eingestürzten Flügels erst „1892“ erfolgte. * Friedrich Franz v. Broke, herzoglicher Hofadvokat, Appellationsgerichtsrat in Altenburg, später Landesjustizrat (Herzogtum Sachsen-Altenburg) ** im Staatsarchiv Altenburg (Bst. 1-14-0004) werden seit 1933 Akten zu der Kuntsch’schen „Fideikomiss- u. Legatsstiftung“ in Langenleuba sowie zu Streitigkeiten unter den Kuntsch-Erben und über die Auszahlungen der Legate konserviert; die Stiftung existierte bis 1945
Johann Kuntsch (1645-1714) aus Eisleben, der Bauherr, war der Sohn des gräfl.-mansfeldischen Amtsschössers in Eisleben Burkhard Kuntsch (1590-1667), u. Bruder des herzogl. Hofrats Dr. jur. utr. Christoph Kuntsch (1640-1724). In Leipzig kam Johann Kuntsch als Großhändler zu Reichtum, so dass er 1707 das RG Langenleuba sowie 1708 mit Hilfe seines gebildeten Bruders ein Adelsprädikat in Wien kaufen konnte, das auf ihn, den Bruder u. den Vetter Johann Joachim ausgestellt wurde. Der Architekt des Schlosses (für beide Brüder gedacht) ist nicht überliefert, wobei es moderne Zuschreibungen auf wackliger Basis gibt, z. B. Johann Gregor Fuchs. Johann Kuntsch starb am 9. Mai 1714 in Leipzig u. wurde auf Betreiben seines Bruders am 12. Mai 1714 nach Langenleuba überführt, wo dieser ihm in der Kirche (cuius patronus fuit) ein sehr teures Epitaph aus Marmor setzen ließ, das erhalten ist. Die Gemeinde hat das Schloss lange über „1965" hinaus genutzt (z. B. „Jugendweihen“), aber verfallen lassen u. die erheischten Fördergelder in die minderwertigen Gutshofgebäude gesteckt für luxuriöse Gemeindebüros usw. anstatt in das löchrige Schlossdach. 2015 war die 1. Zwangsversteigerung im nh-Hotel in Leipzig. Der in Kopenhagen angeblich als Mitarbeiter im Architekturbüro von Axel Hauschild tätige Philipp Hesse (Jg. 1990) aus Greiz (Thür.) hat es hernach erworben u. will es über einen erst 2022 gegründeten Förderverein sanieren, weil ihm Eigenmittel fehlen, d. h. Spender kommen für die Sanierung seinen maroden Besitzes auf, der dadurch an Wert gewinnt. Die Online-Darstellung der Schlossgeschichte von Hesse (halbes-schloss.de) ist nach ihrem Stand vom 10. Januar 2025 wegen gravierender Fehler dringend überarbeitungswürdig.