ehemaliger Patrizier-Landsitz, dreigeschossiger Bau mit Mansarddach und Ecktürmchen an der Westseite, oktogonaler Turm mit welscher Haube, Anlage ursprünglich von Gräben umgeben
1953 erwarb mein Stiefvater Pfarrer Hans Martin Schott das Schloss Reutti mit vielen Nebengebäuden. Er gründete die Evangelische Heimschule Reutti, neben Schülern aus wohlhabenden Familien auch benachteiligte Schüler aus zerbrochen Elternhäuser aufnahm. Im Schloss befanden sich ausschliesslich die Unterrichtsräume der Realschule und das Sekretariat. Die Turmwohnung war bewohnt durch den Kirchenmusikdirektor des Ulmer Münsters Herrn Haller vermietet. In den Nebengebäuden befanden sich Internatsküche, Wohnräume der Schüler ubd Werjstätten der Schlosserei, der Schreinerei und Gärtnerei. Neben der Realschulreife konnte mit einem Jahr Verlängerung die Gesellenprüfung für Schreiner, Schlosser oder Gärtner abgelegt werden. Mein Stiefvater stellte aufgrund einer persönlichen Lebenskrise sein persönliches und finanzielles Engagement ein. Die Schule wurde noch 2 Jahre von den Lehrkräften weitergeführt und musste dann Insolvenz 1973 anmelden. Mein Stiefvater verkaufte Schloss Reutti ohne Nebengebäuden an an einen italienschen Architekten, der 4 grosszügige Eigentumswohnungen im Schloss plante. Die Renovierung mit ausgedehnten Bautendchutzmassnahmen erwies sich sehr kostspielig, sodass er Insolvenz anmelden musste. Mein Stiefvater wurde später Gefängnisseelsorger des Ulmer Gefängnises.
Ich kenne Hans Martin Schott aus den Gründungstagen der Grünen. Er engageirte sie für die von Herbert Gruhl gegründete GAZ. Im Garten des Schlosses entstand im Glashaus im Jahre 1978 das erste Plakat für die Wählergruppierung "DIE GRÜNEN" zur Landtagswahl und wurde in ganz Bayern plakatiert. Nicht nur einmal war ich zum Essen der Familie Schott zuhause eingeladen. Mit Hilfe von Hans-Martin Schott wurde der erste Kreisverband der Grünen "Ulm/Neu-Ulm" mit Alb-Donau-Kreis im Bahnhofshotel in Ulm 1979 gegründet. Später zog er nach Freiburg wo ich leider seine Spur verlor.